- Fridericianum
Rotunde 2. OG
Friedrichsplatz 18, 34117 KasselTomma Abts (*1967 in Kiel) gehört zu den prägenden Positionen der internationalen Gegenwartsmalerei. In ihren Gemälden und Zeichnungen untersucht sie das Verhältnis von Form, Farbe und Bildraum. Ihre abstrakten Kompositionen entstehen in einem langsamen, schrittweisen Prozess, in dem sich unterschiedliche Formen und differenzierte Farbwelten zu spannungsreichen Bildgefügen verdichten. 2006 wurde Abts als erste Deutsche mit dem renommierten Turner Prize ausgezeichnet. Seit 1995 lebt und arbeitet sie in London.
Auf Einladung des Fridericianum erweitert Tomma Abts ihre bisherige künstlerische Praxis erstmals um eine ortsspezifische Wandarbeit im Innenraum. Ausgangspunkt dafür ist die besondere Architektur der Rotunde im zweiten Obergeschoss: der zentrale Luftraum, die halbrunde Struktur und das fächerförmige Glasdach.
Aus diesen räumlichen Gegebenheiten entlehnt die Künstlerin vier Formen – Kreis, Quadrat, Ellipse und Rhombus, die sich zu einer Komposition im Raum entwickeln. Während die ersten beiden Elemente unmittelbar unter dem Glasdach positioniert sind, erscheinen Ellipse und Rhombus an der tiefer gelegenen Rückwand. Die Formen treten sowohl untereinander als auch mit der Architektur in Beziehung; zugleich erzeugt ihre räumliche Anordnung den Eindruck von Vorder- und Hintergrund beziehungsweise von Formen und ihren Schatten.
Mit der Wandarbeit überträgt Abts ihre präzise Auseinandersetzung mit Form, Farbe und Komposition aus dem Bildraum in den architektonischen Raum. Die spezifische Farbigkeit, die Tonalität der Umrisslinien und die Positionierung der Formen wurden vor Ort in einem mehrstufigen Prozess entwickelt und durch technische Mitarbeiter der Kunsthalle auf die Wand übertragen. Damit wird die Architektur selbst zum Bestandteil der malerischen Komposition.
