- documenta archiv
Lesesaal im documenta archiv
Untere Karlsstraße 4, 34117 KasselDas documenta archiv übernimmt den wertvollen Nachlass des Grafikdesigners Karl Oskar Blase (1925–2016). Blase zählte zu den einflussreichsten Grafikdesignern und Plakatgestaltern der Bundesrepublik Deutschland. Über Jahrzehnte prägte der Kasseler Professor für Kunst und visuelle Kommunikation das visuelle Erscheinungsbild der documenta.
In mehr als fünf Jahrzehnten als Gestalter und freier Künstler baute Karl Oskar Blase ein ebenso beeindruckendes wie komplexes grafisches und künstlerisches Œuvre auf. Blase, der seine Arbeit aus der Bauhaus-Tradition heraus entwickelte, hatte von Beginn an alle kulturellen Sparten im Visier: In der jungen Bundesrepublik entstanden Film-, Theater- und Ausstellungsplakate – etwa seit 1952 im Auftrag der Amerika-Häuser in Deutschland – und bald auch Werbemittel für das Staatstheater Kassel. Daneben haben sich seine legendären Briefmarkenmotive fest ins visuelle Gedächtnis der Nachkriegsjahrzehnte eingeschrieben, darunter Serien zu den Olympischen Spielen oder Porträts von Kurt Schumacher und Mahatma Gandhi.
Mit der documenta war Blase seit der dritten Ausgabe verbunden. Er konzipierte 1964 in den Räumen der Staatlichen Werkkunstschule Kassel die Abteilung „Graphik“. In den folgenden Jahren entwarf er Signet, Grafik und Typografie der documenta 4 (1968), der documenta 5 (1972), der documenta 6 (1977) sowie der documenta 8 (1987).
Während seiner langjährigen Lehrtätigkeit, seit 1966 als Professor zunächst an der Werkkunstschule, später an der Gesamthochschule Kassel, inspirierte Blase Generationen junger Gestalter*innen. Er trug wesentlich dazu bei, dass Kassel seit den 60er-Jahren zu einem der einflussreichsten Zentren für Grafikdesign aufsteigen konnte. Auch über die Hochschule und seine Arbeit im Kontext der documenta hinaus engagierte er sich für das kulturelle Leben der Stadt: Seit 1968 im Vorstand des Kasseler Kunstvereins tätig, leitete er den Verein von 1979 bis 1983 als Vorsitzender. Seine plastischen Entwürfe, darunter der renommierte 1991 ins Leben gerufene Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“, sowie seine künstlerischen Arbeiten gilt es noch einmal neu zu entdecken.
Mit der Übernahme seines umfangreichen künstlerischen und schriftlichen Nachlasses sichert das documenta archiv ein für die Designgeschichte der Bundesrepublik Deutschland bedeutendes Kulturerbe. Blases Entwürfe, Korrespondenzen und Arbeitsmaterialien – rund 60 laufende Meter Fotografien und Filme, Modelle, Druckgrafiken und Druckstöcke, Zeichnungen und Gemälde – werfen darüber hinaus neues Licht auf gestalterische Prozesse, die documenta und die kulturellen Netzwerke des 20. Jahrhunderts.
Zum öffentlichen Pressetermin am 14. April 2026, um 11 Uhr sprechen
Prof. Dr. Andreas Hoffmann
Geschäftsführer documenta und Museum Fridericianum gGmbH
Dr. Birgitta Coers
Direktorin documenta archiv
Saskia Mattern
Stellvertretende Direktorin / Leitung Archiv & Sammlungen
Benjamin Blase
Künstler
