Critical Fabulations of documenta

  • documenta Institut

Fridericianum

Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel

Kostenfreier Eintritt, Anmeldung wird benötigt unter: standop@documenta-institut.de
Das Symposium findet in englischer Sprache statt.

Das Symposium Critical Fabulations of documenta widmet sich den Leerstellen, Auslassungen und verdrängten Geschichten in den Erzählungen um die documenta. Diese Lücken werden nicht als Defizite, sondern als produktive Ausgangspunkte für neue Perspektiven auf ihre Geschichte verstanden. Im Zentrum stehen jene Stimmen, Bilder und Narrative, die in den offiziellen Geschichtsschreibungen der Ausstellung marginalisiert, übersehen oder nie vollständig sichtbar wurden. Statt nach einer linearen oder abgeschlossenen Erzählung der documenta zu suchen, fragt das Symposium danach, wie sich mit Brüchen, Widersprüchen und Lücken arbeiten lässt. Welche Formen des Wissens, Erzählens und kuratorischen Handelns können daraus entstehen?

Ausgehend von Saidiya Hartmans Konzept der Critical Fabulation verbindet das Symposium kunsthistorische Forschung, Archivarbeit, kuratorische Praxis und Storytelling. Hartman schlägt vor, die Lücken in der historischen Überlieferung als kreativen Ausgangspunkt zu nutzen und dem Schweigen des Archivs entgegenzuwirken. Critical Fabulation bietet dabei die Möglichkeit, dominante Narrative zu hinterfragen und alternative Formen der Geschichtsschreibung und kuratorischen Praxis zu erproben. Es geht nicht darum, Leerstellen endgültig zu schließen oder Gegengeschichten im Sinne einer vollständigen Korrektur zu formulieren. Vielmehr richtet sich der Blick auf die Bedingungen, unter denen Geschichte erzählt, erinnert und sichtbar gemacht wird.

Das Symposium beschäftigt sich konkret mit geopolitischen Spannungen, institutionellen Narrativen und den Mechanismen globaler Sichtbarkeit, die die Geschichte der documenta seit ihrer Gründung geprägt haben. Im Fokus stehen Fragen nach Abwesenheit und Nicht-Teilnahme, nach verdrängten politischen Kontexten, nicht realisierten Ausstellungen und alternativen historischen Möglichkeiten. Zugleich wird untersucht, wie Museen, Archive und Ausstellungsinstitutionen selbst zu Orten spekulativer und fiktionaler Praxis werden können: als Räume, in denen Vergangenheit nicht nur rekonstruiert, sondern neu imaginiert wird. In Anlehnung an Saidiya Hartman wird versucht, sich nicht nur vorzustellen, was war, sondern auch, was hätte sein können.

Speaker

Charlotte Bank, Matteo Bertelé, Nikita Dhawan, Andreja Hribernik, Andrea Linnenkohl, Fabienne Liptay, Nadia von Maltzahn, Matthias Mühling, Dorota Sajewska, Nora Sternfeld

Programm

Donnerstag, 9. Juli 

18 – 18.15 Uhr | Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. Liliana Gómez (documenta Institut Kassel)

18.15 – 19.45 Uhr | Keynote: Aesthetic Utopias and the Politics of Imagination
Moderiert von Luisa Standop (documenta Institut Kassel)

Prof. Dr. Nikita Dhawan (TU Dresden)

20 Uhr | Abendbuffet für die Referenten der Konferenz

Freitag, 10. Juli

10 – 10.15 Uhr | Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. Liliana Gómez (documenta Institut Kassel)

10.15 – 11.45 Uhr | Panel 1: Absent Others: The Cold War and Beyond
Moderiert von Luisa Standop (documenta Institut Kassel)

Prof. Dr. Nora Sternfeld (HFBK Hamburg): “Something Didn’t Feel Right.” A Retrospective View from the Future

Prof. Dr. Matteo Bertelé (Ca’ Foscari Venezia): An Elephant in the Room? The Soviet Union at documenta in the Sixties and Seventies

11.45 – 12 Uhr | Kaffeepause

12 – 13.30 Uhr | Panel 2: The Trouble with ‘Global’: Frictions, Gaps, and Ghosts at documenta
Moderiert von Laura Flórez (Universität Kassel)

Dr. Nadia von Maltzahn (Orient-Institut Beirut): Interrogating the Global through the (non-)Participation of Lebanese Artists at documenta

Prof. Dr. Charlotte Bank (LMU München): Global In/Visibilities since documenta X (1997)

13.30 – 14.30 Uhr | Mittagspause

14.30 – 16 Uhr | Panel 3: After the 100 Days: Institutions Between Myth, Crisis, and Reinvention
Moderiert von Mateo Chacón Pino (HafenCity University Hamburg/documenta Institut Kassel)

Dr. Andreja Hribernik (Kunsthaus Graz): The Unfinished Institution: Working with Fiction and Speculation

Dr. Matthias Mühling (Lenbachhaus München): „Was von 100 Tagen übrig blieb…“ The Remains of 100 Days… documenta and the Lenbachhaus

16 – 16.15 Uhr | Kaffeepause

16.15 – 17.45 Uhr | Panel 4: On the Unfinished Project of documenta humana
Moderiert von Defne Kizilöz (Kunsthochschule Kassel)

Prof. Dr. Fabienne Liptay (Universität Zürich) and Prof. Dr. Dorota Sajewska (Ruhr-Universität Bochum): documenta humana – a posthumanist fabulation

17.45 – 18 Uhr | Kaffeepause

18 – 19.30 Uhr | Roundtable: Whose Stories, Whose Voices? Archives, Absences and Critical Fabulations
Moderiert von Prof. Dr. Liliana Gómez (documenta Institut Kassel)

Prof. Dr Nikita Dhawan (TU Dresden)

Prof. Dr. Nora Sternfeld (HFBK Hamburg)

Dr. Matthias Mühling (Lenbachhaus München)

Andrea Linnenkohl (documenta und Museum Fridericianum gGmbh)

20 Uhr | Abendessen für die Referenten der Konferenz

Da das Symposium ausschließlich auf Englisch stattfindet, ist auch das Programm hier ebenfalls in englischer Sprache verfasst.

Das Symposium wird organisiert von Prof. Dr. Liliana Gómez und Luisa Standop.

 

Hellrosafarbenes Plakat mit großer schwarzer Typografie. Rechts mittig steht der Titel „CRITICAL FABULATIONS OF DOCUMENTA“. Oben links sind Angaben zum Symposium und zur Leitung gesetzt, oben rechts das Datum „9.–11. Juli 2026“, unten links ein kleiner institutioneller Hinweis.
Plakat: documenta Institut