Matt Copson: Flowers

  • Fridericianum

Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel

Eigens für die diesjährige Kasseler Museumsnacht hat der britische Künstler Matt Copson die ortsspezifische Arbeit Flowers (2026) konzipiert. Die temporäre Intervention besteht aus acht bunten Laserzeichnungen, die die gesamte Außenfassade des Fridericianum illuminieren. Mit Projektoren, wie sie typischerweise in Clubs und bei Bühnenproduktionen zum Einsatz kommen, werden in einer endlosen Schleife erblühende, verwelkende und sich in Abstraktion auflösende animierte Blumen erzeugt. Gemeinsam verwandeln ihre amorphen Formen das Gebäude in eine künstliche Landschaft, während die Laser ununterbrochen Lichtlinien in die Dunkelheit zeichnen. Die Projektion wird von einem Ambient-Sound begleitet, der von dem britisch-polnischen Künstler felicita komponiert und performt wird und der Installation eine akustische Dimension verleiht.

21–21.30 Uhr
Künstlergespräch mit Matt Copson
Das Gespräch zwischen Matt Copson und Luise von Nobbe, Kuratorin Fridericianum, findet im Vorfeld der Premiere von Flowers (2026) statt. Im Gespräch werden Einblicke in den Entstehungsprozess des Werks gegeben und die künstlerischen wie inhaltlichen Bezüge, Inspirationsquellen sowie die Wirkung der installativen Arbeit diskutiert.

Im Veranstaltungssaal des Fridericianum, Eintritt mit Ticket der Kasseler Museumsnacht

21.45–22 Uhr
Feierliche Eröffnung der Intervention Flowers von Matt Copson
Vor dem Fridericianum, Eintritt frei

22–1 Uhr
Matt Copson: Flowers
Projektion vor dem Fridericianum, Eintritt frei

Nachdem Copsons Werke bislang meist für Ausstellungs- und andere geschlossene Räume konzipiert waren, realisiert der Künstler in Kassel erstmals eine großformatige Laserprojektion unter freiem Himmel. Dabei erzeugt die natürliche Dunkelheit der Umgebung nicht nur ein Gefühl der Mystik und Grenzenlosigkeit. Sie bildet einen konstitutiven Bestandteil des Kunstwerks, indem sie die Fassade in eine geeignete Projektionsfläche verwandelt. Die architektonischen Elemente des Gebäudes – etwa Fenster, Gesimse und Säulen – bleiben hinter den Motiven aus Laserstrahlen schemenhaft erkennbar und verankern somit das Werk an dem spezifischen Ort der Vorführung.

Die acht animierten Blumen, die in einer Reihe vom Friedrichsplatz aus auf die Kunsthalle projiziert werden, verhalten sich wie flüchtige Lichtskulpturen. Sie befinden sich in einem Zustand permanenter Transformation. Der dargestellte Zyklus vom Erblühen bis zum Vergehen der Gewächse kann als Vanitas-Motiv gedeutet werden, also als Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Mit Flowers widmet sich Copson somit der existenziellen Frage nach Bedeutung im Angesicht der Endlichkeit des Lebens und einem zyklischen Verständnis von Zeit. Die Symbolkraft der Blume als Sinnbild für Schönheit, Wachstum und Erneuerung wird dadurch ambivalent. Die Monumentalität der Projektion verstärkt den Eindruck einer geradezu unheimlichen Präsenz der Gewächse: Weit entfernt von einer Naturdarstellung erscheinen sie als eigenständige, zum Leben erweckte Phänomene.

Durch den Einsatz von Laserstrahlen als künstlerischem Medium im Kasseler Stadtraum – insbesondere in Verbindung mit dem Fridericianum – tritt Flowers in einen formalen Dialog mit Horst H. Baumanns anlässlich der documenta 6 entstandener Arbeit Laserscape (1977). Permanent im Zwehrenturm des Fridericianum installiert, verbindet Laserscape mittels geometrisch angeordneter Lichtlinien die Kunsthalle heute mit drei markanten Orten Kassels – der Orangerie, dem Hessischen Landesmuseum und dem Herkulesmonument im Bergpark Wilhelmshöhe. Während Baumann durch Laserstrahlen räumliche Beziehungen zwischen den Monumenten herstellt und den Stadtraum visuell strukturiert, überlagert Copson die klassizistische Architektur des Fridericianum mit seiner animierten Bildwelt und erzeugt dadurch eine Atmosphäre des Magischen.

Mit der Nutzung der Außenfassade des Fridericianum als Projektionsfläche knüpft Flowers an die filmische Installation Hope (2020) von Trisha Baga an, die ebenfalls auf das Gebäude projiziert wurde. Weitere ortsspezifische Projekte im Außenraum und temporäre Interventionen der Kunsthalle in den vergangenen Jahren umfassen unter anderen 7000 Palmen von Cosima von Bonin (2025), Kermit the Frog, Even von Alex Da Corte (2024) und Top down / Bottom up von Alexandra Bircken (2020).

Copson wurde 1992 in Oxford, England, geboren und lebt und arbeitet heute in London. Er realisierte Einzelausstellungen und Projekte, unter anderem in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo in Venedig (2026), den KW Institute for Contemporary Art in Berlin (2025), der LUMA Stiftung in Zürich (2025), dem Aspen Art Museum in Aspen (2023), dem Swiss Institute in New York (2019), der Fondation Louis Vuitton in Paris (2018), dem Mönchehaus Museum in Goslar (2018) und den Serpentine Galleries in London (2016). Zusammen mit Oliver Leith schuf er die Oper Last Days, die 2022 am Royal Opera House in London uraufgeführt wurde.

Digitale Simulation der Präsentation von Flowers (2026) auf der Fassade des Fridericianum
Digitale Simulation der Präsentation von Flowers (2026) auf der Fassade des Fridericianum, ©Matt Copson, documenta und Museum Fridericianum gGmbH