Arnulf Rainer (1929–2025)

Der österreichische Maler Arnulf Rainer ist am 18. Dezember im Alter von 96 Jahren gestorben. Er zählte zu den einflussreichsten Avantgardisten Österreichs im 20. Jahrhundert.  

Die malerischen Grundlagen seiner Arbeit entwickelte er seit den frühen 1950er Jahren als künstlerischer Autodidakt, nachdem er die Akademie für angewandte Kunst und die Wiener Akademie für bildende Künste 1949 nach wenigen Tagen verlassen hatte. Nach Anfängen im Surrealismus, Experimenten mit psychischem Automatismus und Blindzeichnungen gelangte er früh zur gestisch abstrakten Malerei. Ab 1954 entwickelte er die charakteristischen „Übermalungen“ und „Überzeichnungen“, die fortan zu seinem Markenzeichen werden sollten. 

Zunächst griff Rainer auf benutzte Leinwände und eigene Arbeiten zurück.  Zur bewussten Provokation des Kunstbetriebs wurde das „Übermalen” gegen Ende der 1950er Jahre, als er begann – zunächst im Einvernehmen mit befreundeten Künstlern –, auch Werke Anderer zu überarbeiten. Zum Bürgerschreck auch hierzulande avancierte Rainer bei der Verleihung eines Kunstpreises in Wolfsburg. Die unautorisierte Übermalung der prämierten Grafik ließ das Publikum in der Bürgerhalle der Volkswagenstadt sprachlos zurück und brachte dem Maler die erste Verhaftung ein. Dreimal in Folge war Arnulf Rainer mit Gemälden, Zeichnungen auf Fotografien und Reproduktionen sowie „Handmalereien“ bei der documenta in Kassel vertreten. Harald Szeemann zeigte seine Arbeiten auf der documenta 5 (1972), Manfred Schneckenburger auf der documenta 6 (1977) und Rudi Fuchs auf der documenta 7 (1982). Mit Fuchs verband ihn eine enge Freundschaft. Der niederländische Ausstellungsmacher präsentierte ihnwiederholt: 1980 im Stedelijk Van Abbemuseum in Eindhoven und 1989 im Guggenheim Museum in New York widmete er Rainer Retrospektiven. 

Im Jahr 1978 repräsentierte Rainer, dessen Weg als Enfant terrible der Wiener Kunstszene begann, die Republik Österreich auf Einladung von Werner Hofmann und Hans Hollein bei der Biennale von Venedig. Im gleichen Jahr wurde er mit dem Großen Österreichische Staatspreis für Bildende Kunst ausgezeichnet. Seit 2009 widmet sich das Arnulf Rainer Museum in seiner Geburtsstadt Baden bei Wien seinem Lebenswerk.  

Detaillierte Vorkehrungen für die Zeit nach dem eigenen Tod hatte er indes längst getroffen: Sein letzter Wille erschien bereits im Sommer 1972 unter dem Titel „Vermächtnis über meinen Nachlass“ als Künstlerbuch: Das beim Bezirksgericht Innere Stadt Wien hinterlegte und notariell beglaubigte Schriftstück („errichtet bei vollem Bewusstsein und vollständig unbeeinflusst“) regelt die vollständige Aufteilung seiner Werke und seines Vermögens unter allen Sammlern und Unterstützern, die es ihm zu Lebzeiten ermöglicht haben, seiner Kunst nachzugehen: „Es tut mir leid, dass ich bei dieser großen Verteilung nicht mehr dabei sein kann.“  

Porträt des Künstlers Arnulf Rainer im Profil
Der Maler Arnulf Rainer (2015), CC BY-SA 2.0