- Fridericianum
Mit Christina Maria Ruederer and Jeanne-Ange Wagne
Anlässlich der Ausstellung The Pause That Dreams Against Erasure von Catherine Opie befragen Jeanne-Ange Wagne und Christina Maria Ruederer aktuelle queere Perspektiven in den visuellen Künsten unter besonderer Berücksichtigung lesbischer Positionen. Im Gespräch geben sie Einblicke in künstlerische Arbeiten, in denen „Queering“ auf vielfältige Weise sichtbar wird.
Dabei wird Queering nicht allein in Bezug auf Genderdiversität oder sexuelle Identitäten verstanden, sondern als subversive Praxis. Diese hinterfragt gesellschaftliche Normen und Strukturen, dekonstruiert dominante Wissensordnungen und übt Kritik an Kanonisierungsprozessen sowie an den vorherrschenden Stimmen innerhalb der Kunstgeschichte.
Queer-feministische und lesbische Perspektiven Afrikanischer, Afro-diasporischer und Schwarzer Künstler*innen prägen den globalen und institutionalisierten Kunstdiskurs maßgeblich mit. Dennoch bewegen sich diese Positionen noch zu häufig im Spannungsfeld von Hypervisibilität und Unsichtbarkeit sowie dem Zwang, im Dienst repräsentativer Visibilität stehen zu müssen. Der Kunsthistoriker Kobena Mercer bezeichnet dies als The Burden of Representation.
Vor diesem Hintergrund blickt der Impulsvortrag auf die Formsprachen und Werksujets aufstrebender und etablierter Künstler*innen, deren Arbeiten Traditionen der „Black School of Thought“ „queerend“ fortführen. Zugleich beleuchtet er deren kulturelle Bedeutung und gesellschaftliche Relevanz.
Innerhalb einer über Jahrhunderte heteronormativ und westlich dominierten Kunstgeschichte stellt sich dabei auch die Frage nach der Institutionalisierung queerer Praxis: Ist eine Kanonisierung überhaupt wünschenswert oder widerspricht sie dem Ansatz des Queering selbst? Oder kann gerade die kritische Auseinandersetzung mit Institutionen neue Räume des Denkens und Handelns eröffnen?
Queering lässt sich als Methode verstehen, die bestehende Strukturen aufbricht, soziale Kategorien wie Klasse, Race und Gender miteinander verschränkt denkt und die Frage nach Sichtbarkeit immer auch als Fragen von Macht begreift. Vor diesem Hintergrund bleibt die zentrale Frage: Wie kann queere Kunst heute gelesen werden – und was bedeutet es, sie überhaupt als solche zu benennen?
Christina Maria Ruederer ist Kunsthistorikerin und Filmwissenschaftlerin. Sie arbeitet kuratorisch an der Schnittstelle von Bildender Kunst und Film und interessiert sich besonders für transdisziplinäre sowie kollaborative Formate in den Themenfeldern Erinnerungs- und Traumastudien, Archivarbeit sowie Pop- und Digitalkulturen.
Als Kuratorin realisierte sie zahlreiche Ausstellungen, Live-Programme, Lesegruppen und Publikationen, u. a. am Kunstverein München, in der Lothringer 13 Halle, dem Museum Villa Stuck, beim Filmfestival München (2023) sowie am Schinkel Pavillon in Berlin. Ihre Texte erschienen in Kunstpublikationen und Magazinen wie Texte zur Kunst und Das Wetter. Seit 2025 ist sie zudem Teil der Leitung des queer-lesbischen Archivs Spinnboden in Berlin.
Jeanne-Ange Wagne ist Kunsthistorikerin und als Koordinatorin, Sprachmittlerin und Wissensvermittlerin tätig. In ihrer künstlerisch-forschenden Praxis beschäftigt sie sich mit Erinnerung, Preservation sowie dem unrechtmäßig nach Europa verbrachten materiellen Erbe Afrikas in europäischen Museen. Darüber hinaus setzt sie sich mit der kulturwissenschaftlichen Einordnung von Entwicklungen und Trends in Bildender Kunst, Popkultur, Musik und Mode auseinander.
Sie konzipiert und moderiert regelmäßig kritische Vermittlungsformate, künstlerische Interventionen sowie Vorträge und publiziert Textbeiträge für Kultur- und Kunstinstitutionen im In- und Ausland, zuletzt u. a. für die Akademie der Künste Berlin, Kestner Gesellschaft Hannover, c/o Berlin, Creamcake Berlin, Goethe Institut Kamerun × Musée National Yaoundé, SAVVY Contemporary und das Brücke Museum.
Bis Oktober 2023 war sie für den deutschen Zweig des transnationalen Forschungsprojekts The Restitution of Knowledge tätig, das am Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne an der Technischen Universität Berlin unter der Leitung der Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy angesiedelt war. In diesem Rahmen kuratierte und koordinierte sie 2022 bis 2023 die Veranstaltungsreihe KuK-Tuesdays: Dislocation.
Der Eintritt ist frei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
