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„DIE STELLUNG DER KUNST IN DER FRAUENBEWEGUNG IST DIE STELLUNG DER FRAU IN DER KUNSTBEWEGUNG.“
(VALIE EXPORT, Woman’s Art, Ein Manifest, 1972)
„VALIE EXPORT — Semper et ubique — immer und überall.“ Mit diesem Motto etablierte sich die österreichische Medien- und Performancekünstlerin VALIE EXPORT 1967 in der internationalen Kunstwelt — und legte dabei mit einer einzigen Geste sowohl den bürgerlichen Namen des Vaters als auch den des Ex-Mannes ab. Ihren selbstbestimmten Namen — stets in Versalien — wählte sie in Anlehnung an die in ihrer Heimatstadt Linz produzierte Zigarettensorte Smart Export und sie machte ihn zum Programm für alles, was folgen sollte. Ihr radikales Werk, ihre kompromisslose Auseinandersetzung mit weiblicher Identität und Repräsentation, ihr Bruch mit sozialen, sexuellen und kulturellen Konventionen und Tabus sowie der konsequente künstlerische Einsatz ihres eigenen Körpers machten sie zu einer der führenden und prägendsten Vertreterinnen feministischer Kunst weltweit.
Mit frühen Performances wie Aktionshose: Genitalpanik, dem Expanded Cinema Tapp- und Tastkino (1968) – in ihren eigenen Worten der „1. Echte Frauenfilm“ – oder Aus der Mappe der Hundigkeit (1968) rüttelte EXPORT die patriarchale Männergesellschaft der Nachkriegszeit auf; 1972 veröffentlichte sie ihr Manifest Woman’s Art – bei der documenta 5 desselben Jahres war sie dennoch nicht vertreten. Später erweiterte sie ihr multimediales Werk um Videokunst, Spielfilm-Regie, konzeptuelle Fotografie, Computerkunst und Installation.
1977 verschaffte Manfred Schneckenburgers „Medien documenta“ der Video-Pionierin schließlich ihren ersten Auftritt in Kassel. Auf Einladung Wulf Herzogenraths war eine Auswahl ihrer Tapes Teil der „Videothek“ im Dachgeschoss des Museum Fridericianum, wo sie auf Anfrage der Besucher*innen auf Röhrenbildschirmen angeschaut werden konnten, darunter die Arbeiten Raumsehen und Raumhören sowie die Aktionen Asemie, Body Politics und Hyperbulie – eine physisch extreme Videoperformance, bei der sich EXPORT unbekleidet durch einen engen Parcours aus Drähten unter elektrischer Spannung bewegt.
30 Jahre später war sie ein zweites Mal in Kassel vertreten: Im Rahmenprogramm der documenta 12 (2007) zeigte Alexander Horwath, damals Direktor des Österreichischen Filmmuseums, unter dem Titel „Zweimal Leben – Second Lives“ im Gloria-Kino eine Filmauswahl von insgesamt 94 Künstler*innen und Regisseur*innen. An zwei Abenden lief EXPORTS frühe Videoarbeit – Remote… Remote… (1973), die anhand autoaggressiver Selbstverletzungen an den eigenen Fingernägeln die Verbindung von erlebten Traumata, körperlicher Erinnerung und weiblicher Erfahrung sichtbar macht.
Weitere Meilensteine setzte VALIE EXPORT als Kuratorin. 1975 organisierte sie in der Galerie nächst St. Stephan die Ausstellung MAGNA. Feminismus: Kunst und Kreativität — die erste Ausstellung in Österreich, die ausschließlich Kunst von Frauen zeigte. 2009 übernahm sie als Kommissärin gemeinsam mit Silvia Eiblmayr die Kuration des österreichischen Pavillons bei der 53. Kunstbiennale in Venedig und wählte die Künstlerinnen Elke Krystufek, Dorit Margreiter sowie Lois und Franziska Weinberger aus. 1980 hatte sie dort selbst den Pavillon mit eigenen Werken bespielt, gemeinsam mit Maria Lassnig — als erste Frauen überhaupt.
Mit der Gründung des VALIE EXPORT CENTER schloss sich im Jahr 2015 ein Kreis: Die Institution, die sich heute der Verwahrung ihres Archivs und der Erforschung ihres Lebenswerkes widmet, befindet sich an eben jenem Ort, wo über Jahrzehnte Smart Export erzeugt und distribuiert wurde: in der von 1929 bis 1935 nach Plänen von Peter Behrens errichteten Tabakfabrik Linz.
VALIE EXPORT starb am 14. Mai 2026, nur drei Tage vor ihrem 86. Geburtstag.
