Ibrahim Mahama erhält den Arnold-Bode-Preis 2026

Wir gratulieren Ibrahim Mahama zur Auszeichnung mit dem Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel.

In seinen monumentalen Installationen thematisiert der ghanaische Konzeptkünstler die historischen und gegenwärtigen Verflechtungen von Industrialisierung und Kolonialismus, Extraktion und Rohstoff-Transport sowie den globalen Handelswegen im Kapitalismus unserer Zeit.    

Zur documenta 14 (2017) umhüllte er die gesamte historische Torwache am Hessischen Landesmuseum mit einem Flickenteppich aus zusammengenähten Jutesäcken, die zuvor zum Transport von Kakao, Kohle und anderen Gütern gedient hatten. Unter dem Titel Check Point Sekondi Loco. 1901–2030. 2016–2017 verwandelte er das so „besetzte“ Gebäudepaar in eine symbolische Zollstation und ein sichtbares, physisch begehbares Archiv menschlicher Arbeit, internationaler Handelsströme und globaler Ungleichheiten. Auch in Athen war Mahama während der documenta 14 präsent, wo er auf dem zentral gelegenen Syntagma-Platz gebrauchte Kohlesäcke mit Altmetall (im Zollverkehr genutzte Metallplomben) und Leder aus in Kassel produzierten Henschel-Wegmann-Zügen vernähen ließ.  

2019 eröffnete er das von Künstlerinnen und Künstlern betriebene Savannah Centre for Contemporary Art (SCCA) in seiner Heimatstadt Tamale (Ghana). Es folgten 2020 die Red Clay Studios im nahe gelegenen Janna Kpeŋŋ und 2021 Nkrumah Volini. Alle Standorte vereinen Ausstellungsräume, Forschungseinrichtungen und Künstlerresidenzen. Sie sind Mahamas Beitrag zur Entwicklung und Erweiterung der zeitgenössischen Kunstszene in Ghana und bieten zugleich kontinuierliche Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche. 

Der Arnold‐Bode‐Preis wird seit 1980 an Künstlerinnen und Künstler in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen. Das Kuratorium setzt sich derzeit aus Ingo Buchholz, Prof. Heiner Georgsdorf (Vorsitz), E.R. Nele, Prof. Dr. Julia Voss sowie die künstlerische Leitung der documenta 16, Naomi Beckwith zusammen. Das Kuratorium tagt gemeinsam mit Kulturdezernent Dr. Sven Schoeller, der den Stiftungsvorstand vertritt. 

Ein in Jutestoff eingehülltes Gebäude in Kassel
Ibrahim Mahama: "Check-Point Sekondi Loco. 1901-2030. 2016-2017", Alte Torwache, Kassel, documenta 14 (2017), © documenta archiv / Foto: Monika Nikolic
Der Künstler Ibrahim Mahama bei der Arbeit mit gebrauchten Jutesäcken
Ibrahim Mahama in den Kasseler Henschelhallen, documenta 14 (2017), Copyright: © documenta archiv / Foto: Fred Dott